| Ausdruckstiefe und kraftvolles Leuchten |
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Die junge Sängerin verfügt über ausgezeichnetes Stimmmaterial und eine breite Palette gestalterischer Ausdrucksmöglichkeiten, verbunden mit einer charmanten Ausstrahlung, was sie zum Liedgesang geradezu prädestiniert. Vom leichten Parlando bis zum kraftvollen Aufleuchten der Melodiebögem stehen ihr zahlreiche Nuancen ihrer stimmlichen Mittel zu Gebot sowie eine Vielzahl psychologischer Charakterisierungsmöglichkeiten. Der Pianist Hendrik Bräunlich stellt sich als absolut zuverlässiger Liedbegleiter mit durchaus eigenem Profil vor, dem vielleicht noch einige Erfahrungen mit dem Erschließen von Raumakustik im Zusammenhang mit Pedalisierung und Lautstärke zu wünschen sind. In fünf Liedgruppen verschiedener Komponisten (Mozart, Schubert, Wolf, Milhaud und Strauss) zeigte die Sängerin die Vielseitigkeit ihrer künstlerischen Gestaltungsmöglichkeit. Mozart hat kleine Meisterwerke des Kunstlieds geschaffen, erfüllt vom Liebesgetändel seiner Zeit, aber auch vom genialen Gespür für die Textvertonung. Kathrin Göring erfasste, stimmlich gleich präsent ohne lange Vorlauf-Phase, das bekannte „Veilchen“ als dramatische Szene, in der besonders die ausdrucksvollen Lamento-Töne berührten. „Als Luise“ erklang hoch dramatisch artikuliert, schließlich wies die „Abendempfindung“ in stimmungsvoll entfalteten Melodielinien, bereits auf Schubert hin, dem die folgende Liedgruppe gewidmet war. Bei Schubert lag der Prüfstein vor, dem sich alle große Liedkunst stellen muss, das Idealmaß des Kunstlieds schlechthin und zusätzlich der enorme Bekanntheitsgrad der meisten Lieder. Kathrin Göring und ihr Begleiter wählten die Tempi mehr als zügig, was zu einem Eindruck leichter Gehetztheit führte. So findet sich bei der „Forelle“ die Angabe des Zeitmaßes Etwas lebhaft und eben nicht Allegro molto oder bei „Gretchen am Spinnrad“ Nicht zu geschwind statt Vivace, ganz zu schweigen vom „Musensohn“, dessen Ziemlich lebhaft nicht äußerst rasch bedeuten kann. Es bleibt dann wenig Spielraum zur Feingestaltung der Details. Eine Liedgruppe aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch bildete den ersten Höhepunkt des Rezitals, in dessen Verlauf Kathrin Göring und ihr Begleiter es verstanden, die subtile erotische Raffinesse, aber auch die gehörige Prise Selbstironie treffend zum Ausdruck zu bringen, wie etwa in „Du denkst mit einem Fädchen mich zu fangen“. In „Nun junger Herr“ wurden auch Portamento-Effekte gezielt eingesetzt und ein fast zur Karikatur geronnenes Nachspiel gestaltete Bräunlich im Ausklang zu „Wie lange schon“. Schelmisch hatte „Mein Liebster“ zu Tisch geladen und pfiffig frivol wurden die vielen Liebhaber einer weiblichen „Donna Juanna“ in Penna ansässig, aufgezählt und in stimmlichem Triumpf hinausgeschmettert. Stimmungsvolle Miniaturen als Kontrast Als eine Art Kontrastblock zum romantisch deutschen Kunstlied erwies sich der „Catalogue de fleurs“, ein Kurzzyklus von Darius Milhaud mit an und für sich äußerst stimmungsvollen Miniaturen von oft nur wenigen Zeilen, voll von schön geführtem Melos und zauberhaften Klavierklängen, allerdings an einen nüchternen, wenig sagenden Text von Daudet verschwendet. Aber in französischer Sprache gesungen, erklangen auch die banalen Worte noch mit apartem Esprit. Gipfelpunkt und Krönung des Abends brachte der Richard Strauss gewidmete Teil mit Vertonungen von Texten H. v. Gilms op. 10, erfüllt von Liebesverlangen, Carpe diem und Blumenromantik, darunter einige berühmte Strauss-Lieder schlechthin. Kathrin Göring, stimmlich zur Hochform aufgelaufen, gestaltete sie in beeindruckender Weise mit einer Ausdrucksbreite von zarter Weisheit („Die Nacht“), lyrischer Innigkeit („Die Zeiten“) über aufblühendes Liebesglück („Die Georgine“) und skurriles Parlando („Die Verschwiegene“) bis zu kraftvollem Leuchten („Zueignung“) und betroffen machendem Ernst („Allerseelen“), dessen Lebensabschied und letztes Liebesglühen zutiefst ergriff. Hingerissen lauschten die Zuhörer der zu kraftvollem Leuchten entfalteten Melodik in den hohen Lagen und der starken Ausdruckstiefe des edlen Stimmmaterials. Stürmischer Applaus erzwang die Zugabe von Strauss' „Rote Rosen“. Gesamter Artikel: Musikverein.bnv-bamberg.de
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| Sommerpause |
Allen Lesern einen schönen und erholsamen Sommer! |