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Musikalische Neuland-Reise
Ungewöhnliche Klänge unterm Mendelssohn-Hausdach

Was haben Bach, Gershwin und Rachmaninoff gemeinsam? Was verbindet romantisches Kunstlied, Jazz und Chanson? Antworten auf diese Fragen fanden die Besucher der neuen Veranstaltungsreihe „Klänge unterm Dach“ im Gartenhaus des Leipziger Mendelssohn-Hauses: Mit drei Liederabenden führten der Komponist, Dirigent und Pianist Stephan König, Chanson- und Jazz-Sängerin Ines Agnes Krautwurst und Kathrin Göring, Ensemblemitglied der Oper Leipzig, in musikalisches Neuland.

Die Reise begann mit einer Gershwin inspirierten Jazz-Session am vergangen Freitag. Dabei bewies Stephan König, Leiter des „LeipJAZZIG-Orkesters“, einmal mehr sein Improvisationstalent, das keine Grenzen zu kennen scheint: Da finden etwa Bach-Fugen und russische Romantik bruchlos zueinander. Als ebenbürtiges Vokal-Chamäleon des Ausdrucks erwies sich seine langjährige Partnerin Ines Agnes Krautwurst. Hauchend, säuselnd, schmetternd, schreiend, sprechend schöpft sie die Möglichkeiten stimmliches Gestaltung aus. Wunderbar ihre tiefen Lagen plastische bis markige Stimme, ihr gestisch-mimischer Eindruck.

Zu diesem erfahrenen Duo gesellte sich am Sonnabend Kathrin Göring in einem hinreißend komisch präsentierten Chanson-Potpourri, bevor das Trio am Sonntag für eine weitere Premiere zusammen kam: Am Liederzyklus „Songs of travel“ des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams zeigten sie, wie sinnlich, homogen und doch vielfältig Crossover im Niemandsland zwischen Jazz und Klassik klingen kann. Neben und übereinander bringen Krautwurst und Göring klassische und jazzige Versionen dieser romantischen Kunstlieder. Dabei kann besonders Göring brillieren. Sie verfügt oben über einen herrlich süßen und klaren Ton und darunter über dunklen dramatischen Ausdruck in ihrem tief herabreichenden Mezzosopran.

Das riskante Unterfangen, klassische Originale mit der Übersetzung in die Jetzt-Zeit zu verbinden, gelingt, ohne die Originale als angestaubt vorzuführen. Im Gegenteil, sie gewinnen noch durch die Ausdruckspalette von Jazz und Chanson. Ein Ergebnis, das stark von Königs Fähigkeit profitiert, unterschiedliche Stile in einträchtiger Verbindung zu präsentieren.

Leipziger Volkszeitung 9.12.2003 – Dorothea Hämmerer

 

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