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Kopflast bis zum süßen Nachtisch
Der romantische Liedzyklus von Ralph Vaughan Williams, komponiert zu Texten von „Schatzinsel“-Autor Robert Louis Stevenson, wird zu einem Wechselspiel zwischen Jazz und Klassik. Die Krautwurst flüstert sich in den Abend, gerahmt vom roten Scheinwerferlicht, das dünne Säulen an die Vorhänge malt. Analog zur wachsenden Lautstärke gewinnt das Klavierspiel an Tempo, um die Glückseligkeit vom Wandeln auf der Straße mit Blick in den Himmel zu erhöhen.

„Songs of travel“ bestechen in diese Interpretation durch die Gegensätze, zusammengehalten von Königs virtuoser Regie von den Tasten aus. Während Göring bewegungslos und ohne Mimik die klassische Seite bedient, schert Krautwurst aus in Lautmalerei und verspielten Gesang, verjazzt und chansonniert. Gedankenschwere gegen Leichtigkeit des Seins, Strenge kontra Ausflugsstimmung, dramatische Steigerungen gegen Passagen voller Schmelz. Und englische Version neben der deutschen. All das von zwei glänzenden, ausdrucksstarken Stimmen; faszinierendvor allem, wie urplötzlich und kraftvoll Görings Mezzosopran anschwillt, den kleinen Saal mit Intensität füllt.

Ein Abend mit Kopflast, abgetragen durch die Zugabe: Die Damen servieren zum Nachtisch den 30er Jahre Schlager „In einer kleinen Konditorei“. Und amüsieren sich mit dem Publikum über spontan verrutschte Textzeilen.

Leipziger Volkszeitung 15.3.2004 – Mark Daniel
 

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